Bruderkrieg

Bericht von Elixa Alanté

Es war bereits dunkel als wir im Lager ankamen. Cordé, Anor, Dragus, Faras und ich Elixa, waren dem Ruf Tuans gefolgt. Wir stellten unser Zelt auf, dann musste Cordé bereits zu einem Kriegsrat. Wir anderen setzten uns ans Feuer zu den Hornsteinern. Als meine Schwester zurück kam wurden erst einmal alle Nacken kontrolliert und Wachen aufgestellt. Wir würden zur dritten Stunde des nächsten Tages Wache halten. Die Zeit verging schnell und schon stand ich mit Cordé oben an der Strasse und hielt Wache. Dragus und Faras waren auf der anderen Seite des Lagers hinter den Zelten. Immer wieder hörten wir Geräusche aus dem Wald. Ein Knacken eines Astes. Die Geräusche kamen näher. Einige der Jäger kamen zu uns hoch und waren kurz darauf im Wald verschwunden. Es dauerte nicht lange bis sie zurück kehrten, aber sie waren nicht alleine. Sie hatten einen der schleichenden Gestalten festgenommen und brachten ihn zum Verhör ins obere Lager. Das Rascheln ging zwar weiter aber es wurde keiner mehr gefangen genommen. Als unsere Wache zu Ende war und Lord Chivas und seine Männer uns ablösten, gingen wir schlafen. Etwa zwei Stunden später merkte ich dass Cordé nicht mehr im Zelt war. Ich stand auf und draussen erblickte ich Cordé die sagte ich solle auch gleich mitkommen. Ich hatte zwar keine Ahnung wohin aber es spielte sowieso keine Rolle. Wir gingen in den Wald und so wurde mir klar dass wir wohl die schleichenden Personen verfolgen würden. Mabrook und Lord Chivas trennten sich schon kurz darauf von uns. Nun waren wir noch vier. Ein Zwerg, meine Schwester und noch einer der Leute von Lord Chivas. Wir suchten alleine weiter. Als es dämmerte beschlossen wir in unser Lager zurück zu kehren.

Dann auf einmal sahen wir einen Trupp Krieger. Sie schienen gerade gekämpft zu haben, da sie einige Verletzte zu beklagen hatten. Ich blieb ruhig stehen. Sie hatten uns anscheinend noch nicht gesehen aber würden wir zu fliehen versuchen würden sie uns mit Sicherheit bemerken.  Auf einmal ging einer von uns los, auf die Gegner zu. Entschlossen ihn anzugreifen. Wir anderen folgten ihm. Sie waren etwa acht und wir waren vier. Die Schlacht war kurz und ein Schlag traf mich am linken Bein ein weiterer am Kopf und ich sank bewusstlos zu Boden.

Als ich wieder aufwachte waren einige Männer um uns versammelt, die uns ins Lager brachten. Dort versorgte mich Anor und eine weitere Heilerin die wir am Vortag in unserem Zelt aufgenommen hatten. Mein Schädel brummte und ich hörte wie jemand sagte dass Cordé es vielleicht nicht schaffen würde. Ich versuchte aufzustehen um zu meiner Schwester zu gehen, doch Anor hielt mich zurück. Ich sank zurück, doch kurze Zeit später war auch Anor bei Cordé. Ich konnte nicht  anders ich musste jetzt zu meiner Schwester. Ich kroch zu ihr, sah sie an und wusste, dass sie nie mehr aufstehen würde. Die Erinnerung an meine Schwester wie sie dalag schmerzt noch sehr, deshalb möchte ich keine weiteren Worte darüber verlieren.

Ecco half uns Cordé zu bestatten. Danach setzte ich mich ans Feuer, schaute hinein und dachte an vergangene Zeiten. Als ich mich wieder einigermassen gefasst hatte ging ich in mein Zelt zog meine Maske aus und schnitt eine weitere Kerbe hinein. Ich zog sie wieder an und rief dann die restlichen Oriosen zu mir. Ich verkündete ihnen dass ich sofort die Nachfolge von Cordé antreten würde.

Immer wieder kamen Leute zu mir und sprachen ihr Mitleid aus.

Ein weiterer Kriegsrat stand an zu dem nun ich gehen musste. Alle waren Anwesend ausser die Ritter und Lord Chivas.

Der weisse Hirsch (der collorierte Bock) begann den Rat und sprach mir als erstes sein Beileid aus. Wir beschlossen einen Spähertrupp loszuschicken um die Ganapaten ausfindig zu machen und Fara wollte mit einigen anderen Heilern die Gegend nach Magischem absuchen. Dann trafen auch die Vertreter der Ritter ein. Das Besprochene wurde kurz wiederholt, dann kam man darauf zu sprechen dass während dem Überfall die Ritter Wache schieben mussten. Ich blieb still neben Arusha sitzen, hätte ich etwas dazu sagen müssen, ich hätte nichts von mir gebracht. Ich ballte meine Fäuste um meine Wut über Cordés Tod darin zu sammeln um dann die Hände zu lösen und damit auch die Wut loszulassen.

Bevor wir aus der Taverne durften wurden uns allen der Nacken kontrolliert. Wir wussten dass irgendjemand von uns einen Käfer hatte, aber nicht wer und wie viele. Ich kontrollierte die Oriosen und stellte erleichtert fest dass von uns niemand betroffen war. Ich setzte mich zu den Jägern ans Feuer, dann kam mir auf einmal in den Sinn dass Lord Chivas nicht an der Versammlung war und er und seine Leute folglich auch nicht kontrolliert waren. Ich machte Arusha darauf aufmerksam, worauf sie Raskir bat nachzusehen. Mein Verdacht hatte sich leider bestätigt. Lord Chivas selbst, Mabrook und noch einer seiner Leute waren befallen. Sie wurden in die Taverne gebracht wo sie bewacht wurden. Als ich kurz auch zur Taverne ging, sah ich auf einmal die Druiden. Ich kannte bis dahin nur einen Druiden. Ich erinnerte mich an Shanti, der vor nicht allzu langer Zeit gestorben war. Doch diese Druiden hier schienen ganz anders zu sein. Die Druiden wollten anscheinend irgendein Ritual vollziehen, doch dem weissen Hirschen schien dass gar nicht zu gefallen. Er lies einen der  Druiden verhaften. Ich beobachtete nur und griff nicht ein. Dann kehrte ein Trupp zurück. Anscheinend hatten sie etwas gefunden, denn sie berichteten von einem riesigen Käfer. Einer hatte es schwer erwischt. Doch es waren sofort Heiler zur stelle die ihm halfen. Später rief der weisse Hirsch die Führer der einzelnen Truppen draussen zusammen wo wir beschlossen die Ganapaten sofort anzugreifen. Wir versammelten uns und nur die Uruloki und die Jäger blieben zurück. Alle anderen zogen in die Schlacht gegen die Ganapaten.

Einige Späher berichteten uns dass viele Bogenschützen auf und warteten. Ohne Probleme kamen wir bis zu dem Tor der Festung. Da waren wirklich viele Bogenschützen. Wir schickten einige kräftige Männer damit sie einen Rammbock holen konnten. Dann auf einmal war da ein riesiger Käfer. Es dauerte sehr lange bis wir ihn erledigt hatten. Viele waren schon verwundet, doch wir liessen uns nicht aufhalten und als der Rammbock da war machten wir uns daran das Tor zu zerstören.  Dragus, der erst seit kurzem wieder zu seiner Sippe gestossen war, überraschte mich mit seinem Bogen. Es war ein fürchterliches Gemetzel. Viele von uns wurden von Pfeilen getroffen, vor allem aber jene die den Rammbock zum Tor trugen. Obwohl ein Schildwall da war um die anderen zu schützen kamen doch immer wieder Pfeile durch. Es fielen viele Leute und es wurden immer neue gerufen die den Rammbock tragen sollten. Auch ich war am Schluss noch am Rammbock. Wir gaben den Granapaten Gelegenheit sich zu ergeben, doch sie zogen es vor uns weiter anzugreifen. Bis zu diesem Zeitpunkt blieb ich unverletzt, doch da war noch so ein Riesenkäfer und er schien einen Kleinen zu beschützen. Ich erlitt einen Fleischwunde am Arm, was aber nicht weiter schlimm war. Einige von uns waren weitaus schlimmer dran. Vor allem die, die gegen den Käfer gekämpft haben. Wir brachten sie so schnell wie möglich zurück ins Lager.

Es war bereits Nacht und ich sass bei den Jägern am Feuer, als auf eine Gruppe Menschen mit Fackeln des Weges kam. Ich nahm mein Schwert und ging hinauf zum Weg, da erkannte ich im Fackelschein die Gebrüder Skir mit einigen Leuten die weinten und schluchzten. Ich konnte mir nicht erklären warum aber sie verlangten Raman zu sprechen. Ich führte sie ins obere Lager, doch anscheinend war Raman auf den Hügel mit dem ewigen Nebel gegangen und es dauerte lange bis er wieder unten war. Die Leute die jetzt hier waren, waren Angehörige der Ganapaten die wie an diesem Tag getötet hatten. Auf einmal wurde mir klar wie grausam die Schlacht gewesen war. Ich machte mir Vorwürfe, ich hätte den weissen Hirschen davon abbringen sollen, ich hätte einen anderen Weg finden müssen, die Ganapaten von den Käfern zu befreien. Doch es war schon geschehen und ich hätte viel dafür gegeben es Rückgängig zu machen. Ich hätte so gerne etwas für diese Leute getan. Ich war wütend auf mich selbst. Da ich ihnen sowieso nicht helfen konnte ging ich zurück zum Lager hinunter. Den Ritten war es anscheinend egal, wen sie töteten, Hauptsache sie hatten ihren Spass, denn sie bedauerten nichts und sagten, sie hätten es verdient. Ich bin da anderer Meinung. Ich finde jeder hat es verdient zu leben, auch wenn sie meine Schwester getötet haben, sie haben es nicht aus eigenem Willen getan. Die Käfer waren es und nur die alleine hatten Schuld an dem Ganzen, doch daran schienen die Ritter nicht zu denken. Ich ging in die Taverne zurück da ich die Gesellschaft der Ritter nicht mehr ertragen konnte. Ich unterhielt mich mit verschiedenen Personen, auch einer der Ritter war dabei, doch er schien anders zu sein. Auch wenn die Ritter eine gewisse Schuld am Tod meiner Schwester hatten so war mir dieser doch sympathisch. Dann kam auf einmal Anor zu  mir und bat mich um ein Gespräch unter vier Augen. Ich ging mit ihr und sie erzählte mir dass einer der Ganapaten im unteren Lager war, bereit ihnen zu verzeihen was sie getan hatten, doch anscheinend war es ihnen egal und sie warfen die Kerze ins Feuer. Ich dankte Anor für ihre Botschaft, dann suchte ich Raman. Ich sprach mit ihm über die Ritter, er verstand mich, doch konnte auch er nichts dagegen tun. Ich wollte zu den Ganapaten gehen und mich für dass was die Ritter getan hatten entschuldigen, doch waren sie schon weg und wenn ich einer dieser Leute wieder sehen werde, so hoffe ich doch dass sie auch dann meine Entschuldigung noch annehmen. Auch wenn ich einige von ihnen getötet hatte, so habe ich doch Achtung vor den Toten.

Was danach geschah weiss ich nicht genau. Es war dunkel und ich folgte einer Frau mir weissem Umhang mit einem Wolf auf dem Rücken. Wir gingen einen Weg hinunter, dann sagte man mir ich solle warten. Ich tat was man mir sagte, dann auf einmal ein Geknalle und Gerufe, dann sah ich auf einmal ein paar Gestalten auf mich zu kommen, die leuchteten. Ich griff nach meinem Schwert, doch ich hatte keine Chance. Ich lag etwas belämmert am Boden. Unfähig etwas zu sagen oder zu tun. Dann hörte ich wie jemand sagte. Lasst sie liegen, sie gehören einer Bösen Macht an die nicht mehr existiert. Dann erwachte ich in meinem Zelt. Arel sei dank, es war alles nur ein Traum. Es war sehr kalt und so ging ich wieder in die Taverne. Viele schliefen schon, so setzte ich mich auf einen Stuhl vor dem Feuer und versuchte auch ein wenig zu schlafen, dann auf einmal erwachte ich und hörte ein Geschrei. Ich nahm mein Schwert und sah nach. Ein Angriff, kurz aber heftig. Die Angreifer waren nicht mehr zu sehen. Anschienend schliefen sehr viele sehr tief denn das Geschrei schien fast niemand gehört zu haben. Gleich beim Eingang lag jemand.

Der weisse Hirsch. Ich rief Anor, die auch in der Taverne geschlafen hatte. Doch auch sie konnte ihm nicht mehr helfen. Was dann geschah weiss ich nicht mehr genau. Nur dass ich am nächsten Morgen in der Taverne aufwachte.

Dass der weisse Hirsch tot war hatte sich wie ein Lauffeuer ausgebreitet.

Auf einmal hörte ich wie jemand von einem Traum erzählte ich war sehr überrascht da es der selbe Traum wie meiner zu sein schien. Ich wollte eigentlich mit Arusha noch über meinen Traum sprechen, doch die Ereignisse die noch kamen liessen dies nicht zu, denn die Leute von dem weissen Hirschen und die zwei Todespriesterinnen wollten ihn wiederbeleben. Leider bemerkte ich es viel zu spät. Denn als sie mit dem Toten hinter das Haus verschwanden dachte ich sie wollen ihn bestatten, doch leider war dies nicht der Fall. Einzig Raskir bemerkte es und tötete die beiden Priesterinnen. Dann ging die Diskussion los. Was sollte mit dem weissen Hirschen nun geschehen, denn sie hatten es geschafft ihn wiederzubeleben. Erst vor kurzem hatten wir alle zusammen gegen die Nekromantie gekämpft und nun taten sie es selber. Irgendwann kam Raman und verkündete dass der weisse Hirsch seines Amtes enthoben wurde, bis Tuan einen Entscheid treffen würde. Mit diesem Entscheid gaben sich alle zufrieden. Wir brachen unser Lager ab und gingen nach Vallasta, meinem Heimatort.

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