Berichte von Jaeshra Carbin
Wir schrieben den 28. Tag d. 9. U. i. J. 187. Ein wichtiger Tag war es, in der Geschichte der Oriosen und auch für mich. Heute würde das grosse Fest steigen, der Herzoginnentitel Elixas würde – hoffentlich – von König Bran bestätigt werden und vor allem würde das grosse und meines Erachtens auch sehr wichtige Ritual des Timbers durchgeführt werden.
Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, alles besprochen und abgemacht. Eigentlich fehlten uns nur noch die Gäste. – Nach und nach trudelten sie dann ein. Teilweise alleine, wie die Vorhut der Uruloki nur aus einem Mann bestehend (der ganz alleine das Zelt mitgenommen hatte und dieses sogleich aufbaute…), teilweise natürlich in angemessener Begleitung, wie die Delegation von Riedhburg, welche auch gleich einige ansehnliche Geschenke für unsere Anführerin mitgebracht hatte.
Die Grösste Überraschung des Nachmittages war aber der kurze aber doch freudige Besuch des Lord Chivas. War er doch der, der prompt ein Geschenkt für den einen und einzigen Timber mit sich brachte. Hocherfreut nahm ich die wunderbare kleine Figur, aus dunklem Holz geschnitzt entgegen. Wir werden sie hoch in Ehren halten!
Gegen Abend waren dann alle Gäste eingetroffen, darunter viele mir unbekannte, teilweise auch etwas suspekte Gesellen. Ein kurzer Wettkampf wurde durchgeführt, wobei sich einige kampfesstarke, tapfere Männer meldeten. Gewinner war Gwaelen (mit einem noch komplizierteren Nachnahmen), von allem Kürbis genannt. Er durfte nun zwei Flaschen Met sein eigen nennen, welche er im Verlaufe des Abends grosszügig verteilte.
Doch ich war von anderen Dingen eingenommen. Das grosse Ritual des Timber stand kurz bevor. Etwas nervös war ich schon, dass ist hier zuzugeben, ist es doch jedes Mal eine neue Herausforderung, standzuhalten, wenn man sich den grossen Göttern gegenübersieht, direkt zu ihnen spricht.
Auch war es von der Sicherheit her gewiss ein grosses Problem, war man doch während des Rituals am Verletzlichsten. Doch mit Hilfe des Hauptmannes Faolan und einigen weiteren Eingeweihten, gelang es uns doch einen gewissen Sicherheitsstandart aufrecht zu erhalten. Vermutlich hatte auch Arel einwenig die Finger im Spiel, und natürlich Timber. Schliesslich haben die Götter selbst auch kein Interesse, dass das Ritual gestört würde.
Es hatte, jedenfalls als das Ritual begann, alles hervorragend geklappt und ich konnte mit Freude dem grossen Timber für seine Gunst danken. Er hatte das Ritual angenommen. Einigkeit und das Bündnis, das zwischen den Teilnehmern des Rituals herrschte, wurden gefestigt und gestärkt. Timber ist unser Zeuge!
Darauf folgte ein wirklich ganz ausgezeichnetes Festessen, der Küche ist hierbei ein grosses Lob auszusprechen. Es hat wirklich allen geschmeckt, auch wenn einige dies mit merkwürdigen Tischmanieren zum Ausdruck brachten.
Darauf nahm das Fest seinen Gang, mit Spielen, Gesang. Die Stimmung war wirklich gut. Einige liebenswürdige Leute nahmen dies auch zum Grund, sich bei mir über die Geschichte der Oriosen zu informieren. Es ist ja wirklich sehr erfreulich, wie detailliert man über uns bescheid wissen will.
Nur wird es für die Erzählerin, nach dem dritten Male etwas mühselig. Aber was tut man nicht alles um die Neugier gewisser Leute zu befriedigen.
Doch langsam nahm das Verhalten der Gäste, zumindest einiger, skurrile Formen an. Angefangen hat eigentlich alles mit dem seltsamen Verhalten Tarkas, die zuerst nur unter Kopfschmerzen zu leiden schien.
Da wir den Grund dafür nicht erkennen oder herausfinden konnten, überliessen wir, glaubend, dass es sich wirklich nur um einfache Kopfschmerzen handelten, den Fall unsere Heilerin.
Dies hätten wir wohl liebe nicht getan. –
Etwas später, drehte Tarka dann durch. Wild um sich schlagend wurde sie nach drinnen gebracht, gefesselt. Es würde noch einigen so gehen im weiteren Verlaufe des Abends…
Auch eine seltsame Gestalt, die alle mit Günther ansprachen, trat auf. Ein seltsamer Herr in einem langen, roten Mantel. Hochgebildet sei er, hiess es, doch was er sprach war zu unverständlich, zumindest für mich, einen Sinn dahinter zu erkennen. Doch hatte ich auch nicht die Zeit, hinter seinen Worten eine tiefere Bedeutung zu erkennen, denn Gorius, der Eberpriester der Uruloki und ich beschlossen, nachdem sich die Fälle des Irrsinnes häuften, die Götter zu befragen.
Nach einigen Absprachen hatten wir ein einfaches, aber effektives Ritual konzipiert.
Die Durchführung klappte ebenfalls reibungslos. Ich rief Timber an, Gorius den Eber (glücklicherweise verlangt Timber KEIN Blutopfer...). Die Götter zeigten sich gnädig. Mit Hilfe von Gorius` Energie wurde mir eine Vision zuteil.
Seile waren es, auf einem roten Grund, welche sich in Schlangen verwandelten. Sie griffen mich an. – Dann öffnete ich die Augen. Und jene, welche um mich standen, sie alle, waren Skelette. Das Bewusstsein verliess mich.
Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich auf einer wackeligen Tischbank wieder. Beinahe fiel ich runter. Es war alles andere als bequem. Und als ich die Augen aufschlug, ein erneuter Schock. Kein lebender Körper um mich herum. Alles Skelette. Ich schrie, beschwor Timber, diesen schrecklichen Anblick von mir zu nehmen.
Stunden, so schien es mir zumindest, dauerte es, ehe ich es wagte, wieder einen Blick auf meine Umgebung zu erhaschen. Wie erleichtert ich war, alle wieder in Fleisch und Blut vor mir zu haben, ist kaum nachzuvollziehen.
Was auch nicht angenehm war, ich kam zu dem Vergnügen, meine Vision etliche Male wiederholen zu dürfen. Nun ja, gewisse Dinge müssen eben sein, um der Gemeinschaft helfen zu können.
Immerhin hat die Vision etwas bewirkt. Alle Anzeichen deuteten auf Günther, der schlussendlich auch gefangen genommen und letzterndes verbrannt wurde… zu dem Zeitpunkt ging es mir schon wieder bestens. Grund dafür war, eine Durchsuchung von einigen Beuteln Günthers. In einem kam ein seltsam glänzendes Pulver zum Vorschein. Irgendwie kam es mir bekannt vor.. hatte ich doch solch ähnliches auch schon mal gesehen.
Nun, ich war noch nie ein Mensch, der sich gross um die eigene Sicherheit gekümmert hatte, und spontan kostete ich von dem Pulver. Ich hatte mit meiner Vermutung richtig gelegen, es handelte sich dabei um den berühmt berüchtigten Kandiszucker. Danach war ich wohl etwas ausgelassen, und als mir jemand mitteilte, dass es Pudding geben würde, gar Vanillepudding, konnte ich kaum mehr an etwas anderes denken.
Nun… leider liess am Schluss die Wirkung der Drogen nach, und zu meiner Enttäuschung gab es überhaupt keinen Pudding an jenem Abend. Glücklicherweise hatte sich aber alles wieder soweit normalisiert und man konnte den Abend zivilisiert bei gemütlicher Kälte am Lagerfeuer ausklingen lassen.
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